Zurück

Drei Projekte für ein altersfreundliches Graz

2020 10 20 Bankerl Aktion Judith Gruene Seniorinnen  c  Anna Toth Apache Forest (23)

Ich wünsche mir für Graz mehr Miteinander. Dazu gehört auch, dass unsere Stadt für alle sicher und lebenswert ist – egal ob alt oder jung. Gerade in Zeiten der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig die Solidarität zwischen den Generationen in der Stadt ist. Stadtplanung und Wohnungspolitik haben großen Einfluss darauf, wie wir zusammen leben – dadurch haben diese Bereiche auch die Aufgabe, dieses Miteinander der Generationen zu fördern.

Aktuell leben in Graz 68.500 Menschen, die älter als 60 Jahre sind, das sind rund 23% der Grazer Gesamtbevölkerung. Bis 2030 wird dieser Bervölkerungsanteil auf 28% ansteigen. Wir werden immer älter und deswegen brauchen wir eine Strategie, um die Stadt dieser Herausforderung anzupassen.

Unterwegs in einer altersfreundlichen Stadt

Wenn wir älter werden, wirkt sich das direkt darauf aus, wie wir unterwegs sind. Eine wichtige Voraussetzung für eine altersfreundliche Stadt ist es daher, diese Veränderungen im Mobilitätsverhalten mitzudenken und sie einzuplanen. Ältere Menschen legen deutlich mehr ihrer Alltagswege zu Fuß zurück, dabei wird ihr Bewegungsradius kleiner. Während in der Gesamtbevölkerung 19% der Wege zu Fuß erledigt werden, sind es bei 60-64-jährigen 43% und bei den über 80-jährigen 63%.

Grafik: Maruša Puhek, Quelle

Für eine altersfreundliche Gestaltung der Stadt ist es daher in allen Grazer Stadtbezirken darauf zu achten, dass Lebensmittelversorgung, Ärzt*innen, Parks und soziale Treffpunkte zu Fuß erreichbar sind. Ältere Menschen fahren weniger Auto, Fahrrad und Öffi, stattdessen gehen sie zu Fuß. Damit sie ihre Alltagswege stressfrei und sicher zurücklegen können, achtet eine altersgerechte Stadt auf:

  • Fußgänger*innenübergänge mit längeren Ampelphasen
  • ausreichende Sitzgelegenheiten zum Rasten
  • breitere Gehsteige für mehr Sicherheit
  • genügend Trinkbrunnen
  • mehr öffentliche Toiletten

Mehr Miteinander für ein gutes, langes Leben in der Stadt

Die Gesundheit und das Wohlbefinden von älteren Menschen hängen nicht nur von der medizinischen Versorgung ab, sondern auch maßgeblich von sozialen Kontakten und der Teilhabe am öffentlichen Leben. Oft fehlen in der Stadt jedoch Möglichkeiten sich außerhalb der Familie zu treffen und Kontakte zu knüpfen.

Mit 3 gezielten Projekten können wir in der Stadtplanung das Miteinander älterer Menschen und der Generationen untereinander fördern:

1. Generationenwohnen in allen Grazer Stadtbezirken

Unter Generationenwohnen versteht man das Zusammenleben unterschiedlicher Altersgruppen in einer Wohnanlage. Für das Miteinander gibt es Angebote wie gemeinschaftlich genutzte Räume, aber auch Nachbarschaftsbörsen. Ältere Bewohner*innen können so z.B. bei der Betreuung von Kindern helfen, Blumen und Haustiere betreuen und werden im Gegenzug bei Fahrten zum Arzt oder beim Einkaufen unterstützt. Das ist eine Win-Win-Situation.

Mit Stand 2019 gab es in Wien bereits 1.300 Wohnungen in Projekten mit dem Schwerpunkt Generationenwohnen. Hier plant und fördert die Stadt Projekte für Generationen-Wohnen, aber auch andere alternative Wohnformen wie Wohngemeinschaften für Senior*innen.

Graz hat Aufholbedarf, hier gibt es bisher nur erste Ansätze:

  • Wohnanlage Messequartier (Wohnungen für Studierende und Senior*innen, gemeinsame Aktivitäten wie Sommerfeste)
  • Caritas Mehrgenerationenhaus in der Raiffeisenstraße
  • Gemeinschaftliches Wohnprojekt KoWoos in Eggersdorf (42 Erwachsene und 28 Kinder unterschiedlicher Altersstufen wohnen zusammen).

2. Spiel, Spaß und Kommunikation an öffentlichen Orten

Graz braucht auch für ältere Menschen Möglichkeiten, über Bewegung und Spiel im öffentlichen Raum zusammen zu kommen. Durch eine passende Gestaltung ist es möglich, das Miteinander im öffentlichen Raum gezielt zu fördern. Gerade Parks bieten sich als Ort der Begegnung an.

Drei Ideen, die einen Park zum Begegnungsort der Generationen machen:

  • Altersgerechte Plauderbänke und Sitzgruppen am richtigen Ort
  • Schach und Boule im Park
  • generationenübergreifender Motorikparks
Foto-Credit: Anna Toth

3. Digital-Cafés

Gerade jetzt öffnet digitale Fitness die Tür zur Außenwelt. Doch die Technologie verändert sich ständig und viele ältere Menschen haben den Anschluss längst verloren. Gegensteuern können wir mit generationenübergreifenden Digital-Cafés. Sie helfen älteren Menschen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Dort bekommen sie Unterstützung von Jüngeren, wenn sie Fragen zur Technologie haben, es um anstehende Updates oder die Bedienung ihrer Geräte geht. Älter werden und jung bleiben, das bedeutet auch, sich online zurechtzufinden.

Graz – eine Stadt für Alt und Jung

„Es gibt einen sehr simplen Anhaltspunkt, woran Sie die Lebensqualität einer Stadt erkennen. Schauen Sie, wie viele Kinder und wie viele alte Menschen auf Straßen und Plätzen unterwegs sind.“

Jan Gehl

Wenn eine Stadt gut für 8-jährige Kinder geeignet ist und gleichzeitig die Bedürfnisse von 80-jährigen Senior*innen berücksichtigt, dann wird sie zu einer zukunftsfähigen Stadt. Das ist das sogenannte 8-80-Prinzip, das der dänische Stadtplaner Jan Gehl formuliert hat. Wenn also Plätze und Straßen, der Öffentliche Verkehr, Parks und Einkaufsmöglichkeiten so gestaltet sind, dass sie den Bedürfnissen von älteren Menschen entsprechen und von ihnen gerne genutzt werden, dann bringt das Lebensqualität für alle. Indem wir Graz altersfreundlich gestalten, ermöglichen wir möglichst vielen Menschen die Teilhabe am sozialen Leben und tragen zum Miteinander bei. Davon profitieren wir alle.